Verdien dir einen Namen.
#1
In meiner Vorstellung habe ich erwähnt das ich gerne Hintergründe schreibe.
Meine Figuren, die sich im Kampf bewährt haben bekommen (sofern sie noch keinen festgelegten haben) einen Namen.
Dafür müssen sie aber ausserordentliches leisten.
So etwas hat mein BlackJack Sniper geschafft. Er hat unter Feuer zahlreiche Ziele ausgeschaltet und meisterhaft Rüstungswürfe bestanden.
Seine AROS an diesem Tag waren von einem anderen Stern und so möchte ich ihm eine kleine Hintergrundgeschichte gönnen die im groben auch
wiederspeigelt was an dem Tag passiert ist.
Ich bin etwas eingerostet aber ich hatte Spass das zu schreiben und hoffe das jemand auch Spass daran hat es zu lesen.



3 Wochen im Feld. Regen, dann Schlamm. Essen mit der konsistenz von Kotze und niemals ist das Wetter warm.
Das war wohl sowas wie ein beschissenes Grundgesetz.
Wenn es heisst, Neulingen irgendeinen Mist am Arsch der Welt beizubringen, MUSS es kalt sein. Geht nicht anders.
Da hilft es auch nichts, daran zu denken das er mal am anderen Ende stand und selber nichts drauf hatte.
Wenigstens hatte er Elvis.
Der lässt ihn nicht hängen.
Elvis und der Walkman "Sony Modell WM-24". Seit 7 Generationen im Besitz der Familie Waters.
Ursprünglich war er mal rot aber inzwischen ist dort ,wo überhaupt noch Farbe ist ein blasser rosa Fleck und die Schrift, von der ist kaum noch was da.
Von den 20 Kassetten die sein Vater besessen hat sind 12 noch heile und 5 davon sind von Presley.
Der Typ rockt.
Ein privater Gegenstand ist erlaubt wenn man im Einsatz ist und die meisten nehmen Schnaps mit.
Die meisten nehmen Alkohol mit oder Kippen aber er packt den King in seine Tasche. 
Fucking Rock and Roll Baby.
Als sie nach 20 langen, kalten Tagen den Abmarschbefehl erhalten hat sein "Sony" 12 Batterien gefressen.
2 hat er sich aufgehoben für den Heimweg. Er hatte Steven bestochen einige als seinen Besitz mitzunehmen und 4 weitere heimlich eingepackt.
Darauf stand die Peitsche, nicht nur für ihn, aber 3 Wochen ohne Musik. No fucking way.
Malcolm hatte seinen Kram verpackt und auf dem Rücken seines treuen BlackJacks verstaut,
nun betrachtete er die (nicht mehr) Neulinge wie sie durch das Lager wuseln und ihren Mist einsammeln.
Batteriefach auf. Die alten raus und kurz ins Unterholz gekickt. Die Neuen rein.
Klack, Klack.
Batteriefach zu.
Play.
Die Schreie des Lieutenants, der Trubel des Lagers, das ewige prasseln des Regens. Alles verstummt.
Blue Suede Shoes.
Mit Stöpseln im Ohr und halb geschlossenen Augen führte er die Routine des Einsteigens durch.
Ein Knopf, der BlackJack geht leicht in die Knie. Ein Hebel. Die Kabine klappt auf und das Kopfgitter hebt sich.
Mit einem Stiefel drückt er sich vom Knie der Servorüstung hoch, die linke greift hoch und er dreht sich gekonnt ein.
Hydrauliken zischen, der Anzug stellt sich auf. Auf dem Screen seines Helmes leuchten Zahlen auf.
Alles im grünen Bereich. Seine zweite Haut.
Es ist eine verfluchte Ehre so ein Baby zu bedienen, da gibt es nichts zu leugnen.

Malcolm war die Eskorte für diesen Trupp Loser. Nicht er alleine aber einer davon.
Im Wald von Dawn überleben lernen. Schiessen, Kämpfen, Disziplin.
Der Lieutenant war irgendwann der Meinung die Grunts hätten genug, also geht es auf den Heimweg.
Einen Tag Gewaltmarsch. Das ballert sie nochmal richtig weg.
Das sortiert auch den letzten Wichser aus der nicht an die Sache glaubt und denkt die Armee wäre ein leichter Weg an ein Dach und Essen zu kommen.
Scheisse, er sehnte sich doch auch nach der Barracke, dort war es wenigstens warm, aber er sollte verdammt sein wenn man es ihm ansah.

Nach 3 Stunden zu Fuss kam dann die schlechte Nachricht. Die Vorhut hat einen Erdrutsch gemeldet und der Weg den sie nehmen wollten war nun ein Fluss.
Das alles hörte er natürlich nicht, wegen Elvis.
Er sah es aber.
Der Späher mit enttäuschtem Gesicht geht zum Lieutenant und deutet auf den Weg vor ihnen.
Der Lieutenant bekommt dann ein rotes Gesicht weil er schreit und wütend ist. Die Adern an seinem Hals pulsieren.
Die Neulinge sehen erleichtert aus und hoffen auf eine Rast.
Ein stummes Theaterstück und am Ende kommen sie doch da an wo sie hin wollen. Jemand wird ihm schon sagen wo es lang geht.

Malcolm Waters, genannt "Stoic". Seine Kameraden gaben ihm diesen Namen als eine Art Titel. Weil er nicht aus der Ruhe zu bringen war.
Weil er manchmal auch etwas langsam war aber auch weil er sich immer unter Kontrolle hatte.
Das war sein Ding. Ruhe und Frieden und der King. Er war der Fels. Wenn es in der Barracke ärger gab, zu wem kamen sie dann?
Wenn es galt die Dinge "Unter sich" zu regeln, auf wessen Wort haben sie was gegeben? Zu ihm, sein Wort hören.
Nach 15 Minuten stand der neue Weg fest, eine leichtere Route.

Nach 4 Stunden ging die Scheisse los. Keine Ahnung was sie wollten und woher sie kamen aber es waren NOMADS.

Das Gelände war eine verlassene Fabrik. Unsere Hoffnung war, das die gewaltigen Abwasserrohre
die Überschwemmung gut überstanden haben und noch einigermassen intakt waren.
Dann hätte man dort wieder auf die Strasse kommen können und hätte dann zwar einen kürzeren aber auch sichereren Weg zurück gehabt.
Mit Wiederstand hatte aber niemand gerechnet.

Sie waren genau so überrascht wie wir denn wir hatten wegen des Umwegs die Vorhut nah bei uns behalten.
Eine Nachlässigkeit, gewiss, aber die Stadt war, zumindest in Luftline, nicht weit weg und das hier war kein Antipoden-Gebiet.
Die Männer hatten tatsächlich was gelernt. Sie bewegten sich wie eine Einheit.
Die Kugeln flogen los.
Malcolm sprintete zu einer erhöhten Position und einer seiner Finger suchte die "Stop" Taste an seinem Walkman.
Er liebte den King aber er war nicht irre. Man brauchte alle Sinne in einem Gefecht.
Der King war aber offensichtlich anderer Meinung.

Einen Walkman, an dem Joystick eines Kampfanzuges befestigt, zu bedienen ist (gelinde gesagt) nicht leicht, erst recht nicht mit dicken Handschuhen.
Er traf zwar die Taste aber das Gerät rutschte aus dem Klebeband. Schlamm, Regen, Dreck und die vibration der Schritte haben ihn gelockert.
Jetzt baumelte er, alleine von den Kopfhörerkabeln getragen herunter. Unerreichbar.
Das grösste Problem an der Sache war das solange der kleine Antike Kasten lief überlagerte er die Ansagen seines Lieutenants.
Ja das war ein Risiko und er ging es bewusst ein. Wenn das rauskam wäre die Peitsche ein Segen.
Malcolm schüttelte den Kopf in der Hoffnung mit dem kleinen bisschen Spielraum den er
dabei hatte die Kopfhörer abzuschütteln um wenigstens seine Ohren benutzen zu können.
Erfolglos.
Fuck.
Er war in Position.
Elvis begann mit "Return to sender". Zurück an den Absender.
Die anderen Männer rückten vor.
Dann sah er den Scharfschützen auf der anderen Seite des Geländes.
Zielen.
Klack, Klack.
Tot.
Der Sniper fiel aus seiner Sichtlinie.
Einer weniger.
Dann ein dumpfer Schlag.
Er wurde getroffen.
Aus dem Augenwinkel sah er seinen Lieutenant. Er schrie in seine Richtung. Malcolm sah die Adern an seinem Hals.
Sein Helm-Screen blinkte Orange. Schäden.
Ruhe bewahren, auf den King hören. Zurück an den Absender.
Mit viel mehr Kraft als üblicherweise benötigt drehte er sich leicht nach links.
2 Einschläge in seine Panzerung, sie jault aber hielt.
Malcolm zielte.
Klack, Klack.
Der Angreifer zerfetzt.
An der Ecke wo sein erstes Opfer lag regte sich was. Jemand versuchte zu dem Scharfschützen zu gelangen.
Eine winzige Lücke.
Abwarten, langsam sein, dann blitzschnell zuschlagen.
Klack, Klack.
Der Sanitäter schaffte es nicht. Er wirbelte in einer roten Fontäne durch die Luft. Schlug hart auf das Gitter auf.
"Stoic" sieht sich um. Seine Kameraden sind da. Feuern zwar aber die erste Hektik verflog langsam.
Ein Rücken offenbarte sich aus dem Nichts.
200 Meter entfernt.
Ist es schon vorbei? Es war keine USAriadna Uniform, sah auch nicht nach Zivilist aus.
Ein ekelhafter Schuss. Zwischen 2 Häuserecken und an einem Tank vorbei.
Atmen.
Klack, Klack.
Die Person fiel über das Geländer ausser Sicht.
Der King war fertig, das Gefecht vorbei. 2 Minuten und 9 Sekunden.
Durch die Schäden schaffte er es seine rechte Hand aus der Rüstung zu schieben und fischte nach dem Kabel des Walkmans.
Er fand es und zog ihn Stück für Stück daran hoch. Unendlich langsam.
Der Servorarm hing in der Zeit nutzlos an seiner Seite.
Malcolm gelang es das Kabel zu ziehen und sofort verstummte das nächste Lied und sein Lieutenant war in seinem Ohr.
Es war überstanden.
Geringe Verluste.
Er habe seinen Job gut gemacht.
Man rief Transporter für den Rest von uns.
Die Neulinge hatten sich bewährt.
Den Typen den er in den Rücken schoss war ein Feind. Er hatte kurz davor eins der neuen Mädels umgelegt.
Sein zögern hat nichts an der Sache geändert erfuhr er später.
Zurück im Lager liess er als Alibi die Kommunikation seines Anzugs checken und ihn reparieren.
Er brauchte auch besseres Panzerband.
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#2
Sehr klasse geworden, liest sich ausgezeichnet. Top! Smile
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#3
Cool geschrieben, gefällt mir , gerne mehrSmile
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#4
Danke für die netten Worte, das beflügelt mich zu einem weiteren Teil.

Ein anderes Modell welches mich nie enttäuscht hat ist der Tankhunter mit tragbarer Autokanone.
Er war nie herausragend aber er liefert jedes mal (wie man so schön sagt).
Meine Mitspieler und ich haben uns mal aus Spass gefragt was so eine Waffe in einem Kampf von Spezialeinheiten zu suchen hat.
Obwohl wir zahlreiche Antworten fanden kommt es mir immer noch komisch vor und so entspann sich langsam der Faden der
folgende Geschichte ins rollen brachte. Da ich Lust drauf hatte es zu verfassen und weil der Tankhunter mich noch nie hängen gelassen hat
gebe ich ihm trotzdem einen Namen auch wenn es mich gruselt ihn nach der Story noch weiter einzusetzten Big Grin

Eine kleine Warnung.
Hier wird Gewalt dargestellt die eventuell nicht für jedermann ist.
Dann wollen wir mal, viel Spass und Danke an jeden der das hier liest und vielleicht ein wenig Spass dran hat.



Lieber Leser,

dies ist Privat und ich möchte nicht das du weiter liest, wer immer du bist.

Svetlana, Liebe meines Lebens. Ich glaube nicht das du mein Tagebuch anfässt, ganz ehrlich.
Solltest du einen schwachen Moment haben bitte ich dich von Herzen, leg es zurück.
Du findest hier keine Untreue, ich gehe nicht zu Prostituierten und niemand kann mich glücklicher machen als du es je könntest.
Das hier ist rein beruflich und ich bin selber überrascht wie sehr ich das hier brauche. Als Frau eines Soldaten bist du
nicht weniger hart als ich und hast viele entbehrungen über dich ergehen lassen müssen. Das hast du aus Liebe getan.
Nun leg es weg Süsse. Bitte.

Viola, das hier gehört Papa. Leg es zurück oder du bekommst Hausarrest bis du 18 Jahre bist, ich meine es Ernst. Wirklich.
Hier sind Dinge die nicht für deine Augen sind. Das ist über meine Arbeit. Es ist langweilig. Bitte Hase, leg es zurück.


Allererster Eintrag:

Wenn ich das hier alles nochmal lese, nachdem ich mir einiges von der Seele geschrieben habe muss ich vor meinem ursprünglichen ersten Eintrag
noch eine Seite einkleben um einiges grade zu rücken. Ich bin nicht Verrückt.
Wie ich im ersten Eintrag geschrieben habe, hat mein Lieutenant mich gebeten etwas zu finden um mit meinem Job klar zu kommen.
Von allen Möglichkeiten die er mir vorgeschlagen hat war "Tagebuch schreiben" die beste denn es ist nur für mich.
Niemand wird das hier je lesen aber wenn doch (und Gott möge das verhindern) dann musst du das hier unbedingt wissen.
Mein Name ist Viktor Gromow (45 Jahre alt), ich diene in den Streitrkäften und tue es gerne.
Ich bin Offizier und lebe auf dem Stützpunkt Vostrofjew in einem schönen kleinen Haus.
Meine Frau und meine Tochter lieben mich, so wie ich sie liebe.
Wenn ich einen traurigen Film sehe weine ich und es ist mir nicht peinlich, ich besitze Emphatie und trinke den unsichtbaren Tee meiner Tochter.
Wir machen Grillabende, haben Spielrunden und ansonsten auch ein ausgeglichenes Sozialleben.
Wir haben ein Fluchglas und einen Hund.
Sonntags besuchen wir die Kirche wenn wir können.
Meine Frau engagiert sich in der Gemeinde und unsere Kleine ist ein aufgewecktes Mädchen.
Ich habe weder Viola noch meiner Frau jemals ein Leid zugefügt, ich spüre nicht das Bedürfnis dazu und meine Kindheit war auch nicht traumatisch.
Es gab weder einen Onkel oder Pfarrer der aufdringlich war, ich habe auch niemals Tiere gequält.
Meine Bildung ist überdurchschnittlich.
Bitte Fremder lies nicht weiter. Bitte.

Erster Eintrag:

Jetzt sitze ich hier seit 30 Minuten und weiss nicht was ich schreiben soll.
Bla Bla Bla Bla.
Mein Lieutenant kam heute zu mir und hat mich in sein Büro gebeten. Es hat in der Vergangenheit viele Leute gegeben die mit ihrem Job
nicht klar kommen. Unsere Verbände haben eine grosse Zahl an Soldaten die psychische Probleme aufweisen.
Es gäbe da mehrere Möglichkeiten sagte er und hat einige aufgezählt. Selbsthilfegruppen, der Militärseelsorger, Tagebuch schreiben, ein Psychologe in der Stadt oder
einen Priester konsultieren wenn man denn ein Gläubiger Mensch ist.
Obwohl ich ihm sagte ich benötige das nicht und ich sei sehr glücklich mit meinem Beruf hat er mich gebeten etwas davon zu probieren.
Ich habe es ihm versprochen und mein Wort ist etwas wert.
Ganz ehrlich, das ist garnicht so verkehrt glaube ich. Nun gibt es Essen und ich höre erstmal auf.

Zweiter Eintrag:

Viola hat mich letztes mal beim Tagebuch schreiben gesehen, jetzt will sie auch eins. Sie ist mein kleines Papakind.
Sie wird das nicht lange durchziehen, genau wie das kurze Intermezzo mit der Geige,dem Ballet, Judo oder dem Hamster.
Möge er in Frieden ruhen.
Wenigstens kostet es mich nur ein Notizheft und ein Bleistift und keine Musikstunden bei der gruseligen Tante (Ihre Worte nicht meine).
Ich glaube aber nicht das ich sowas hier reinschreiben soll. Es ist ein berufliches Buch. Kann man falsch Tagebuch schreiben?
Wen frage ich das überhaupt? Ich schreibe einfach was ich will.
Ich habe meinem Lieutenant gesagt ich bin glücklich mit meinem Beruf und das war die Wahrheit.
Als Panzerjäger schaut man zurück auf eine Linie mutiger und aufrechter Männer. Es ist eine Ehre das Abzeichen zu tragen.
Das meine ich wie es schreibe. Ich trage die Uniform mit Stolz und auch wenn unsere Einheit in den letzten Jahren geschrumpft ist weil
es immer weniger harte Ziele gibt.
In einer Welt wo die Kriege in den Schatten und im geheimen ausgetragen werden sind wir ein Relikt das im Aussterben begriffen ist.
Ich gebe mich da keinen Illusionen hin. In wenigen Jahrzehnten werden wir vollkommen obsolet sein, egal was das Oberkommando sagt.
Da bin ich natürlich schon in Rente. Meine Fitness ist für mein Alter herausragend. Sveta nennt mich ihren Bären.

Dritter Eintrag:

Letzte Woche habe ich geschrieben wir sterben aus, da habe ich mal recherchiert. In der Vergangenheit gab es beim Militär immer mal
wieder Einheiten die nicht mehr gebraucht wurden.
Ritter, Samurai, Kavellerie, alle haben irgendwann ihren Zenit erreicht und wurden nicht mehr benötigt.
Meistens allerdings weil man etwas erfunden hat was stärker ist, das trifft auf uns aber nicht zu. Wir sind die Starken aber man nimmt uns die Ziele weg.
Was das Oberkommando aber nicht erkannt hat ist der psychologische Effekt den wir auf den Feind haben können.
Ich erinnere mich an das eine mal, als wir einer Einheit PanOceaniern gegenüber standen.
Da sie oft TAGs mitbringen wurde ich auch angefordert. An dem Morgen gab es aber keine TAGs beim Feind.
Wir schlichen also in Position und ich versuchte den Verband zu flankieren.
PanOceanier sind fantasielose Krieger aber sie sind mutig und beherzt, das muss man ihnen lassen. Sie haben aber auch ihre Grenzen.
Ich geriet in die Flanke wie ich es geplant habe und 2 Füsiliere kreuzten meinen Korridor 50 Meter vorraus.
Der Schuss aus meiner Autokanone erschreckte sie kaum, denn sie sind diszipliniert aber sie haben, glaube ich, nicht damit gerechnet das ich treffe.
Den vorderen der beiden erwische ich. Es war ein mittelmässiger Schuss. Oberschenkel.
Die Explosion war wie immer wunderschön. Ein 20x99mm Geschoss kann auch schon mal jemanden durchschlagen, was enttäuschend ist denn
den Effekt den es erzielt wenn es trifft grenzt an Kunst.
Der Füsilier wird also getroffen und das Geschoss geht hoch. Sein Bein wird sofort in Zwei Teile gerissen.
Der Unterschenkel fliegt 17 Meter weit. Die Explosion versengt ihm sofort die Panzerung und zerfetzt sie den Bruchteil einer Sekunde später.
Seine Körpermitte und sein Bauch bis zur Höhe des Brustbeins werden offen gelegt, Gedärme, Körpersäfte, Fleisch und Knochenstücke
wirbeln in einer atemberaubenden Choreographie durch die Luft.
Sein anderes Bein wird durch den Schwung des Einschlags vom Boden gerissen.
Die Reste des Füsiliers drehen eine Piourette und klatschen feucht auf den Boden.
Ich hätte es gerne gehört aber ich war zu weit weg.
Was ich aber hörte waren die Schreie seines Kameraden. Seine Moral war gebrochen. Zwei zum Preis von einem. Das war ich.
Meine Hände zittern bei der Erinnerung, ich höre erstmal auf zu schreiben.

Vierter Eintrag:

Wenn ein Scharfschütze jemanden "ausknipst" ist es oft sehr sauber. Manchmal hört man nicht mal was. Ein Schuss und fertig.
Klar hat der Feind dann Angst, weil irgendwo ist jemand. Unsichtbar und Geräuschlos.
Scharfschützen sind eh so ein elitärer Haufen. Aufgeblasene Hampelmänner. Wenn ich hören muss wie sie damit
angeben über 500 oder 1000 Meter diesen oder jenen Feind erschossen zu haben wird mir ganz anders.
Und diese albernen Namen die sie sich geben.
Wenn ich für jeden "Iceman" oder "Hunter" einen Credit bekommen würde, könnte ich sofort in Ruhestand gehen.
Wir Tankhunter sind nicht weniger heimlich, können auch mal einen Tag oder 2 im Dreck liegen und warten.
Wir bewegen uns nicht weniger leise und haben den gleichen Überblick und das Verständnis vom Schlachtfeld.
Präzisionsgewehre. Wie präzise muss man denn schon sein wenn das Gewehr die Hälfte der Arbeit macht?
Sie sind ja wie Chirurgen sagen sie. So genau. Setzen dort Nadelstiche wo es sein muss und schneiden das Geschwür heraus.
All diese lächerlichen Metaphern. Wenn sie Ärzte sein wollen sollen sie doch. Halbgötter in Weiss nennt man Doktoren doch aber
meine Autokanone und ich, wir sind der personifizierte Zorn Gottes.
Wo Gottes Finger hin zeigt, da macht es nicht "Piff Paff" nein da KNALLT es.

Fünfter Eintrag:


Bei der kleinen Geschichte gestern ist mir mein kuriosester Schuss eingefallen.
Ich lag seit 2 Stunden zwischen einigen Netzen und Müll und beobachte eine Strasse auf der angeblich ein Konvoi kommen sollte.
Einige Meter weiter lag einer unserer Scouts und auf der anderen Seite der Autobahn, zirka 350 Meter weg, ein Catachaner, ebenfalls Scharfschütze.
Inzwischen wimmelt es von denen auf den Schlachtfeldern unserer Generation und warum wir gegenseitig auf uns ballern müssen ist eine Schande.
Innenpolitik hat aber nichts mit der Geschichte zu tun.
Ich bin sicher das der Catachaner nichts von uns wusste. Er lag in perfektem Tarn im Schatten eines Baumes, wir waren genauso unsichtbar.
Dann bewegte sich unser Scout (warum auch immer) und ich sehe das der Catachaner es sieht. Er bewegt sich seinerseits, schwenkt sein Gewehr langsam ein paar Zentimeter und legt an.
Ich habe nicht nachgedacht und obwohl meine Muskeln prostestieren richtete ich mich etwas auf. Diese Sekunde hat gereicht um den Catachaner zu verwirren.
Im Bruchteil dieser Sekunde berechne ich den Schuss. Drücke ab und treffe.
Mein Plan war folgender. Eine Explosion in seiner Nähe würde ihn verletzten, ablenken, vertreiben. Eines davon war gut genug.
Was dann geschah und wie ich traf sah ich erst genau auf den Filmaufnahmen der Nachbesprechung.
Ich saß also danach in dem improvisierten Kommandozelt und sehe eine Luftaufnahme von der ich nicht weiss wie sie gemacht wurde.
Auf dem Bildschirm sehe ich wie der Catachaner sich bewegt um auf meinen Kumpel anzulegen. Dann zuckt sein Kopf weil er mich wohl grade aufstehen sieht.
Die Auflösung des Videos ist nicht sehr gut aber davon ausgehend was ich sehe muss folgendes passiert sein.
Das Teflonmantelgeschoss aus meiner Autokanone trifft den liegenden Mann genau frontal im Gesicht aber explodiert nicht sofort.
Es durchschlägt den Schädel und dringt ungefähr bis in den Brustkorb ein und zertrümmert alles in seinem Weg und verwandelt es in eine matschige Röhre.
Der Feind ist natürlich bereits tot aber das Geschoss ist noch nicht mit ihm fertig. Es muss auf einen Knochen oder die Innenseite der Panzerung getroffen sein
denn erst dann detonierte es.
Ich sehe meinen Vorgesetzten wie er das Video ansieht und sein Gesicht drückt Grauen aus.
Bei mir ist es anders ich beisse mir auf die Zunge um mein Lächeln zu verbergen.
Er kann die Schönheit nicht erkennen die darin liegt aber ich sehe es.
Die linke Körperhälfte des Catachaners ist intakt und wird nach links oben geschleudert. Die rechte Seite des Mannes wird in Höhe der Hüfte
auseinander gesprengt und der Teil mit Arm, Kopf und Schulter fliegt Richtung Strasse. Das Bein landet im Baum und bleibt in den Ästen hängen.
Teile der Rüstung, des Rucksacks und der Innereien verfangen sich ebenfalls in den Ästen die noch nachwippen. 
Sein Gewehr bleibt kurioserweise an Ort und Stelle, wie das gehen soll ist mir ein Rätsel und war etwas enttäuschend.
In diesem Moment war ich hart wie eine Eiche.
Das war mein kuriosester Schuss und ein Manifest dafür wie nutzlos manche Scharfschützen sein können.
Ich glaube ich wecke Sveta auf, diese Geschichte bringt mich immer auf Touren.

Sechster Eintrag:


Gute Laune, fantastischen Sex gehabt.
Ich glaube jeder Soldat der viel im Einsatz ist hat einen Mechanismus um all das hinter sich zu lassen wenn er zurück ins normale Leben kommt.
Viele haben nicht das Glück, welches ich habe und auf sie wartet keine Familie zuhause.
Dazu kommt noch das ich meine Arbeit Liebe, nicht weil ich ein Sadist bin und gerne Leid zufüge, nein es ist notwendig.
Ich bin kein Politiker und obwohl mein Rang hoch ist sind mir die Feinheiten und das "Grosse Ganze" verborgen.
Ausserdem leiden die Opfer meiner Attacken meist nicht lange.
Anders als eine Kugel die sich in deine Eingeweide fressen kann. Dich Stunde um Stunde leiden lässt bis du dich einkackst und verreckst.
Meine Art zu töten ist da humaner, zumindest für das Opfer.
So wie der eine Typ in der Raffinerie.
Wir wurden in aller Eile zusammen gekratzt weil eine Anlage im Westen besetzt wurde.
Irgendwelche Terroristen.
Als wir ankamen war es totenstill und weder von den Arbeitern noch von Terroristen war eine Spur zu finden.
Wir gingen davon aus das sie sich in eine der Minen zurück gezogen haben und das Oberkommando machte einen Plan wie es nun weiter geht.
Ich setzte mich ab um am Rand der Anlage Wasser abzuschlagen und auf einmal höre ich rechts von mir was, keine 4 Meter entfernt.
Ein Mann mit Sturmgewehr legt auf mich an, ich reisse meine Kanone hoch und seine Schüsse treffen meine Panzerung.
Ich muss einen Schritt nach hinten machen um nicht umzufallen und nutze den Schwung um das Rohr hochzureissen.
Dann drücke ich ab.
Der Mann stand in der Ecke zweier Container und wenn ich etwas weiter unten getroffen hätte wäre er wohl nach oben weg gespritzt.
Ich traf ihn allerdings ziemlich in der Mitte. Jetzt habe ich nur bedingt Ahnung von Physik und wie es Zustande kam aber durch
den Druck der Explosion nach dem Einschlag und seiner Nähe zu den Stahlcontainern ist er einfach zerplatzt.
Lediglich seine Extremitäten fand man später noch einigermassen intakt.
Zum Zeitpunkt des Aufschlages befand ich mich mehr oder weniger 5 Meter von ihm entfernt und die Druckwelle einmal am eigenen Leib zu spüren war wundervoll.
Noch erhebender war aber der Eindruck als mich die warmen Überreste des Mannes in einer feuchten Umarmung umhüllten.
Die Blutwolke bedeckte meine Rüstung von Kopf bis Fuss und ich spürte kleinere Schrapnelle seiner selbst auf mich prallen.
Mein Helm war ebenfalls rot gefärbt und ich sah die Welt durch einen Schleier.
In den Falten meines Kampfanzuges sammelten sich feine Rinnsale Blut und winzige Fetzen schwammen darin herum.
Ich stand wie gelähmt einige Sekunden und meine heraneilenden Kameraden holten mich aus der Trance.
Dem Himmel sei dank sahen sie nicht den Ausdruck der verzückung auf meinem Gesicht, denn mein Visier war ja total voll Schmodder.
Sie sahen mich und was ich angerichtet habe und einige wandten sich geschockt ab, andere lachten und einer kotzte.
Die Seiten der Container waren natürlich ebenfalls voll von ihm. Der Einschlag hat sie aber nicht bewegen können, so schwer beladen waren sie.
Das beste war allerdings wie lange dieser Einsatz dauerte. Aufgrund der Geiseln zog er sich den ganzen Tag und die ganze Nacht.
Wir hatten nichts dabei um uns umzuziehen und so durfte ich in diesem Zustand bleiben.
Ich muss ein höllischer Anblick gewesen sein. Der personifizierte Tod. Den ganzen Tag schwebte ich wie auf einer Wolke und musste mich
zusammenreissen das man mir nicht ansah wie ich mich fühlte. Machtvoll. Unbesiegbar. Geil.
Zurück in der Kaserne musste ich mich dann umziehen. Ich entfernte also alle Habseligkeiten und fand etwas in der Seitentasche meiner Hose.
Ein Auge, es war blau.

Siebter Eintrag.

Ich wusste ich konnte das Auge nicht lange behalten und bereits nach 2 Tagen wurde es unansehnlich so das ich es weg warf.
Wie es intakt bleiben konnte ist mir ein Rätsel. Explosionen sind chaotisch. Das ist das so wundervoll an ihnen.
Ich begann mich aber zu fragen wer diese Leute waren die ich traf.
Vielleicht ist das dumm denn am besten sieht man im Feind nicht das Individuum. Das kann einen zögern lassen wenn es drauf ankommt.
Es waren Feinde. Ich entschloss eine Grenze zu ziehen.
Im Kampf waren es Feinde aber danach waren sie wieder jemand und diese jemande interessieren mich nunmal.
Mein Rang erlaubt es mir am Ende eines Gefechtes auch mal das Schlachtfeld zu inspizieren.
Das ist nötig für Nachbesprechungen und Analysen.
Nun passiert es nicht so oft aber manchmal wenn nicht genug Offiziere anwesend sind werde ich dafür rangezogen.
Mich freut das natürlich denn ich kann dann von nahem sehen was ich angerichtet habe.
Am liebsten habe ich es wenn ich dabei alleine bin. Dann erlaubt es mir die Zeit, die Bilder in meinem Kopf zu speichern.
Denn nachdem ich alle lästigen Pflichten erledigt habe, alles gesehen habe was ich gesehen haben muss, gehe ich zu denen die ich getroffen habe.
Das ist dann das köstliche Dessert nach dem faden Hauptgang der langweiligen Schusswunden.
Dabei bekomme ich Dinge zu sehen die auf Schlachtfeldern selten zu sehen sind.
Einmal fand ich einen weiblichen Fuss. Ich erinnere mich an den Schuss aber wusste nicht das es eine Frau war.
Er war klein und ziemlich niedlich. Mit rosa lackierten Nägeln.
Welcher Soldat lackiert sich die Zehennägel? War sie eine Reservistin? Wollte sie an diesem Abend vielleicht ausgehen oder war sie gestern unterwegs?
Vielleicht machte sie das auch nur weil sie es schön fand und sich etwas Weiblichkeit in diesem von Männern dominierten Umfeld erhalten wollte.
Natürlich werde ich darauf keine Antwort finden aber das denken beruhigt mich, hält mein Hirn auf Trab und regt meine Fantasie an.
Ich spinne mir dann Geschichten zusammen wie wohl die letzten Stunden der Person waren bis sich unsere Wege dann kreuzen.

Achter Eintrag:

Wenn ich mir das alles nochmal durchlese beschleicht mich die Sorge das jemand ausser mir das hier liest.
Bin ich Irre?
Wenn ich mich das fragen kann, kann ich ja nicht Irre sein weil die merken das ja selber nicht oder?
Ich schreibe weiter aber nur zur Sicherheit werde ich vorne wohl einen Zettel einkleben der beweist das ich nicht irre bin.
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#5
Nicht als Kritik, nur als Feedback: Fing gut an, aber ich habe dann bei der zweiten Schilderung eines Treffers aufgehört zu lesen. Die "gory details" sind dann nicht so mein Geschmack. Aber jedem das seine!
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#6
Ach kein Problem. Wenn jeder alles gleich gut findet wäre es doch auch langweilig.
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#7
Absolut richtig! Big Grin
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#8
Habe die erste Geschichte gelesen.
Sehr schön. Hat Spaß gemacht. :-)
[Bild: sigcmdrdarko.jpg]
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